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Was ist eigentlich Geodäsie?

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Der Tag der offenen Tür findet dieses Jahr zeit­gleich mit dem Uni-Sommer­fest statt. Hier erfahrt ihr alles über das Studium der "Geodäsie und Geoinfor­mation" in Bonn!

 

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Sie sind hier: Startseite Studieninteressierte Was Bonner Absolventen sagen ... Jens Levenhagen

Jens Levenhagen

 

Die Auswahl

Wie bin ich auf die Geodäsie und speziell auf Bonn gekommen? Nun, zunächst muss ich gestehen, dass ich ursprünglich Astronom werden wollte. Leider gibt es diese Ausbildung in Deutschland aber nur als Promotionsstudiengang nach abgeschlossenem Physikstudium. Das schreckte mich damals ab, denn einige Teilbereiche der Physik hatten mir in der Schule wenig Freude bereitet. Das gleiche galt für die Chemie, die ich unter allen Umständen umgehen wollte.

Was macht man also, wenn man etwas Technisch-Naturwissenschaftliches mit viel Mathematik, einem möglichst großen Bezug zur Astronomie und ohne Chemie studieren möchte ? Da gibt es nicht viele Möglichkeiten, und so war ich dann höchst erfreut, dass genau dies in nur 10km Entfernung von meinem Wohnort Troisdorf angeboten wurde – Geodäsie! Allerdings durchlief ich aus verschiedenen Gründen vorab eine Warteschleife von 2 Jahren, in denen ich eine Vermessungstechnikerlehre im öffentlichen Dienst absolvierte. Diese kam mir anschließend beim Einstieg ins Studium – und nicht nur dort - sehr zu Gute und ich habe diese Zeit nicht bereut (überhaupt bin ich der Meinung, dass es kaum auf das Alter von Absolventen ankommt, nur auf deren Qualität! Nach diesem Prinzip wähle ich heute auch meine Mitarbeiter aus).


Die Studienzeit

Für mich war das Geodäsie-Studium in Bonn eine tolle Zeit, und ich habe dort mit Leib und Seele studiert. Es gab dafür viele Motivationsgründe, aber zwei waren ganz besonders wichtig: Erstens die geringen Studierendenzahlen (wir waren 35 Erstsemester im Jahr 1989), die ein exzellentes Teamworking im Semester und einen direkten Kontakt zum Dozenten erlaubten (meine Vertiefungsvorlesung in Mathematischer Geodäsie im 7. & 8. Semester fand im Büro von Prof. Heitz statt, ich war nämlich der einzige Absolvent). Und zweitens der damalige Bonner Schwerpunkt im Bereich Theoretische Geodäsie / Astronomisch-Physikalische und Mathematische Geodäsie. Das traf – vor dem Hintergrund meines Faibles für die Astronomie – bei mir natürlich genau ins Schwarze.

Nach meiner Promotion in diesem Bereich bei Prof. Bonatz war ich für den Berufseinstieg in die Navigation sehr gut gewappnet. Zunächst beschäftigte ich mich zwei Jahre lang in Freiburg mit Kreiselnavigation, bevor mich die boomende Satellitennavigation (GPS, Galileo, etc.) Ende der 1990er Jahre an den Bodensee zog.


Der Job

Inzwischen arbeite ich im zwölften Jahr für die Raumfahrtfirma Astrium GmbH in Friedrichshafen im Bereich Bahn- und Lageregelung von Satelliten. Ich hatte das große Glück, von 2002 bis 2007 für den deutschen Erdbeobachtungssatelliten TerraSAR-X verantwortlich gewesen zu sein, der seit seinem Start im Juni 2007 prima funktioniert und wichtige Radarbilder von der Erde aufnimmt (zum Beispiel zur Überwachung von Naturkatastrophen wie dem Vulkanausbruch auf Island 2010 oder der Ölpest im Golf von Mexiko). Danach wechselte ich von der Technik ins Management und leite seit nunmehr 5 Jahren meine Abteilung. Ich verstehe mich dabei jedoch nicht als „typischer Manager“ im Sinne der Betriebswirtschaft, sondern eher als technischer Manager mit konkretem technischem Bezug zum Objekt Satellit. Eine ausschließlich administrative Tätigkeit könnte ich mir für mich nicht vorstellen.


Die Geodäsie und die Raumfahrt

Als Geodät ist man in der Raumfahrt heute noch ein Exot - dieser Umstand sollte aber niemanden davon abhalten, den Sprung zu wagen. Die geodätische Ausbildung liefert eine hervorragende Grundlage für eine anspruchsvolle Tätigkeit in denjenigen Teilen der Raumfahrt, die sich mit Navigation, Geoinformation und -lokalisierung, Bilderkennung, Algorithmen, Modellbildung, Simulation  und statistischer Auswertung beschäftigen. Vermutlich gelingt wie bei mir selbst der Einstieg über die Navigation am leichtesten, da dort die gemeinsame Schnittmenge sehr groß ist. Aus meiner persönlichen Sicht ist es daher erstaunlich und auch bedauerlich, dass die Bewerberzahlen aus der Geodäsie bei Raumfahrtunternehmen immer noch verschwindend gering sind. Dies fängt im Übrigen bereits bei den Studienpraktika an. Ich möchte daher allen aktuellen und zukünftigen Studierenden der Geodäsie ausdrücklich empfehlen, frühzeitig den selbstbewussten Blick über den Tellerrand zu wagen und sich inhaltlich nicht auf die angestammten geodätischen Kernbereiche zu beschränken.


Fazit: Wir Geodäten haben ein hervorragendes Image, es gibt nur leider in vielen Bereichen zu wenige von uns !

 

Jens Levenhagen

 

 

 

 

 

 

 

Jens Levenhagen

 

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