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Was ist eigentlich Geodäsie?

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Der Tag der offenen Tür findet dieses Jahr zeit­gleich mit dem Uni-Sommer­fest statt. Hier erfahrt ihr alles über das Studium der "Geodäsie und Geoinfor­mation" in Bonn!

 

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Sie sind hier: Startseite Studieninteressierte Was Bonner Absolventen sagen ... Heinz Brüggemann

Heinz Brüggemann

 

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Im November 2009 bin ich in den Ruhestand eingetreten und war bis zu meiner Pensionierung Leiter der Abteilung 7 „Geobasis NRW“ der Bezirksregierung Köln und damit zuständig für die Landesvermessung in Nordrhein-Westfalen. Z. Zt. berate ich ein Unternehmen aus Münster, das von der Stadt Addis Abeba, der Hauptstadt Äthiopiens, mit dem Aufbau eines Kataster- / Grundbuchsystems und eines Adresssystems beauftragt worden ist.

Zum Studium der Geodäsie in Bonn kam ich auf Umwegen. Als Abiturient hatte ich nur vage Vorstellungen von den verschiedenen Berufsfeldern und entschied mich deshalb zunächst für das Studium des Höheren Lehramts mit den Fächern Mathematik und Sport an der Technischen Hochschule Aachen. Auf die Geodäsie kam ich erst, als mich gesundheitliche Gründe zu einer Neuorientierung des Studiums zwangen. Damals konnte man in Aachen noch Geodäsie bis zum Vordiplom studieren, und mir schien dieses Studium mit seinem mathematischen Schwerpunkt und als Teil der Geowissenschaften meinen Interessen am ehesten entgegenzukommen. Diese Entscheidung habe ich nie bereut, erwies sich doch die Geodäsie für mich im Laufe des Studiums und im späteren Berufsleben als eine spannende und äußerst vielseitige Wissenschaft mit ständig neuen technologischen, organisatorischen und letztlich auch juristischen Herausforderungen.

Nach dem Abschluss des Vordiploms in Aachen war der Wechsel zur Bonner Universität die zwangsläufige Folge. Als Schwerpunkt wählte ich die theoretische Geodäsie; in meiner Diplomarbeit beschäftigte ich mich mit dem Zusammenhang zwischen dem Erdschwerefeld und dem Erdmagnetfeld und untersuchte dies am Beispiel des Rodderbergvulkans südlich von Bonn unter Einsatz geeigneter Computerprogramme. Zwar habe ich im späteren Berufsleben mit dieser Fragestellung nie wieder etwas zu tun gehabt, jedoch kamen mir die Erfahrungen bei der Softwareentwicklung zugute.

Wie die meisten Kommilitonen entschied ich mich nach bestandenem Diplom für das Referendariat, das auch heute noch die Voraussetzung für eine berufliche Laufbahn im öffentlichen Dienst und für die Tätigkeit des Öffentlich bestellten Vermessungsingenieurs ist. Erst hier lernte ich die Vielseitigkeit des Berufs kennen, die allein der öffentliche Dienst mit Tätigkeiten in der Landesvermessung in Bundes- und Landesbehörden, bei der Flurbereinigung und bei Kommunen bietet. Ich entschied mich für den Schwerpunkt Städtebau und bearbeitete in meiner „Großen Arbeit“ ein juristisches Thema mit politischer Aktualität, den Ausgleich für durch städtische Planungsmaßnahmen verursachte Veränderungen des Grundstückswerts zwischen Gemeinde und Eigentümer.

Eine Stelle in der Kommunalverwaltung Nordrhein-Westfalens, die ich nach dem Abschluss der Referendarzeit anstrebte, blieb mir und manchem anderen Kommilitonen wegen der damaligen kommunalen Neugliederung in NRW und dem damit verbundenen massiven Stellenabbau im höheren Dienst verwehrt. So beschloss ich, bei einem Öffentlich bestellten Vermessungsingenieur das für die Niederlassung als ÖbVI erforderliche halbe Jahr praktischer Tätigkeit zu absolvieren und mich gleichzeitig auf interessante freie Stellen zu bewerben. Es boten sich schließlich als Alternativen eine Tätigkeit als wissenschaftlicher Mitarbeiter auf dem Gebiet der Satellitengeodäsie beim Institut für Angewandte Geodäsie, dem heutigen Bundesamt für Kartographie und Geodäsie, mit Standort Wettzell im bayerischen Wald, und alternativ beim Landesvermessungsamt NRW in Bad Godesberg auf dem Gebiet der Entwicklung kartographischer Software. Ich entschied mich für die zweite Alternative in Anknüpfung an meine Erfahrungen bei der Softwareentwicklung, die ich im Studium in Bonn gewonnen hatte. Diese Tätigkeit führte mich in das Team beim Landesvermessungsamt, das die Automatisierung des Katasters in Deutschland im Rahmen des ALK-Projektes (ALK = Automatisierte Liegenschaftskarte) begleitete. Sie war letztlich auch die Grundlage für meinen Einstieg in die Normungsarbeit, zunächst beim DIN, später auch beim europäischen Normungskomitee CEN.

Die im Landesvermessungsamt und bei der Normungstätigkeit gesammelten Erfahrungen konnte ich dann als Referatsleiter für Liegenschaftskataster und Grundstücksbewertung im Innenministerium NRW bei der Entwicklung von Landesvorschriften und bei der Gestaltung nationaler Projekte einbringen, bis ich zum Abschluss meiner beruflichen Tätigkeit die Leitung der Landesvermessung NRW in Bad Godesberg übernahm.

Aus heutiger Sicht betrachtet kann ich sagen, dass ich den Schritt in die Geodäsie nie bereut habe. Neben den hochinteressanten fachlichen Aspekten ist besonders die freundschaftliche Kollegialität hervorzuheben, die ich überall erleben durfte und die mir sehr geholfen hat, die wechselnden beruflichen Herausforderungen zu bestehen. Das wissenschaftliche Rüstzeug dazu hat mir das Studium in Aachen und Bonn mit seiner hohen fachlichen Qualität und mit der fast familiären Atmosphäre einer kleinen Gemeinschaft Studierender, die eine erstklassige Betreuung durch das wissenschaftliche Personal garantiert, mitgegeben.

Heute steht der Beruf des Geodäten vor neuen spannenden Herausforderungen, die dem Berufsanfänger ein facettenreiches und persönlich erfülltes Berufsleben versprechen, unabhängig davon, ob er die akademische Laufbahn an einer Hochschule anstrebt, sich eine Zukunft im freien Beruf als ÖbVI vorstellt, als Beamter des höheren Dienstes bei Bund, Land oder Kommune tätig werden will oder als geodätischer Experte in einem Unternehmen wirken will. Die Nachfrage nach Bonner Absolventen ist groß. Es lohnt sich, Geodäsie in Bonn zu studieren!

 

Heinz Brüggemann

 

 

 

 

 

 

 

Heinz Brüggemann

 

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